Kreis Höxter (red). Was mit einem harmlosen Flirt im Chatforum startet, endet für viele Jugendliche oft in schlaflosen Nächten, schrecklichen Sorgen und großer Angst vor dem nächsten Schultag. Das Phänomen, was aktuell auch durch die Polizei im Kreis Höxter immer häufiger beobachtet wird, nennt sich Sextortion und leitet sich aus den englischen Begriffen Sex und Extortion, Erpressung ab. Dabei begeben sich Kriminelle in die digitalen Welten, in denen vorwiegend junge Menschen unterwegs sind, wie Onlinespiele, Videoplattformen und Social Media Plattformen.

Mit Hilfe falscher Fotos geben sie sich dort als Gleichaltrige aus, senden Freundschaftsanfragen und erschleichen sich das Vertrauen der Betroffenen. Diese nehmen die vielen Komplimente, die Anerkennung und zweideutigen Nachrichten auf den ersten Blick als nette Anbahnung einer interessanten Flirtbekanntschaft an. Mit der Zeit fassen die Betroffenen so ein gewisses Vertrauen gegenüber den Kriminellen und es werden gegenseitig Fotos ausgetauscht.

Die vermeintlich attraktiven Chatpersonen sind dabei oft nicht die, für die sie sich ausgeben. Die aufreizenden Fotos und pornografischen Videos der Kriminellen stammen in der Regel von anderen Internetseiten und werden geschickt in den Chat eingespielt. So werden die Jugendlichen dazu gebracht, von sich selbst freizügige Fotos zu versenden und sich vor ihrer Webcam im eigenen Kinderzimmer auszuziehen.

Die Kriminellen fordern die Jugendlichen dazu auf, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Animiert werden die Jugendlichen oft durch falsche Versprechen, wie "Du zeigst mir deins und ich die meins". Die Kriminellen zeichnen die Videoaufnahme der Betroffenen auf und erpressen diese mit der Zahlung einer hohen Geldsumme. Eine kurze Frist zur Zahlung der Summe, sowie die Drohung die aufgenommenen pornografischen Aufzeichnungen mit den Freunden und der Familie zu teilen, bringen die Betroffenen nicht selten dazu, dass sie sich unter Umständen zu noch weiteren, extremeren Handlungen hinreißen lassen.

In den meisten Fällen sind junge Männer von dem Phänomen "Sextortion" betroffen. Allerdings können auch Mädchen und junge Frauen davon betroffen sein.

Die sexuelle Erpressung kann auch ohne einen vorherigen gegenseitigen Kontakt erfolgen. In dem Fall versenden die Kriminellen wahllos Erpresserschreiben per E-Mail, in denen sie behaupten, dass sie bereits anzügliche Videos der Person besitzen und drohen damit, diese zu veröffentlichen, wenn keine Geldzahlung erfolgt.

Um sich vor Sextortion zu schützen wird geraten, keine Freundschaftsanfragen von den fremden Personen anzunehmen und bei fragwürdigen Nachrichten generell skeptisch und vorsichtig zu sein. Es sollte eine sichere Privatsphärenneinstellungen vorgenommen werden, so dass das eigene Profil mit den hochgeladenen Fotos für Unbekannte nicht öffentlich einsehbar ist. Darüber hinaus ist es ratsam, sparsam mit privaten Fotos und persönlichen Informationen, wie Wohnort und Geburtsdatum, im Internet umzugehen.

Sollten Sie oder eine Ihnen bekannte Person von Sextortion betroffen sein, so brechen Sie den Chat umgehend ab. Kommen sie keinesfalls einer möglichen Zahlungsaufforderung nach. Vertrauen Sie sich einer nahestehenden Person an und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. In dringenden Fällen wählen Sie den polizeilichen Notruf 110.

Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es bei der Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Höxter. Terminvergabe und persönliche Beratung unter 05271/962-1353.