Höxter (TKu). Vor dem Stadthaus in Höxter wurde es am Mittwochnachmittag still, und zwar: um gemeinsam laut zu sein! Keine Sprechchöre, keine lauten Parolen, stattdessen ein bewusst gewähltes Schweigen, das mehr sagte als viele Worte. Unter dem Motto „Wir sind sprachlos – Politik betreibt mit dem KiBiz-Entwurf Realitätsverweigerung“ setzten mehr als 80 Mitarbeitende, Eltern, Omas und Opas sowie Unterstützende von Kindertageseinrichtungen aus dem Stadtgebiet Höxter ein Zeichen des Protests. Die Kundgebung war Teil einer groß angelegten Kampagne im Erzbistum Paderborn, an der sich viele katholische Kindertageseinrichtungen beteiligen. Ziel dieser Kampagne ist es, die Perspektiven von Trägern, Fachkräften und Familien stärker in die politische Diskussion einzubringen und dringend notwendige Verbesserungen für die Zukunft der Kindertagesbetreuung zu erreichen. Anders als bei früheren Protestformen setzte man diesmal bewusst auf ein ungewöhnliches Mittel: das Schweigen. Diese Sprachlosigkeit sollte symbolisieren, wie fassungslos die Betroffenen angesichts des aktuellen Gesetzentwurfs sind.
Besonders engagiert beteiligten sich die katholischen Kindertageseinrichtungen St. Peter und Paul, St. Nikolai sowie der Kinderkreisel im Familienzentrum Civivo Höxter. Ausgestattet mit Plakaten und vorbereiteten Informationstexten versammelten sich Mitarbeitende und Eltern vor Ort und hielten ihre Botschaften zunächst schweigend vor sich oder in die Höhe. Doch es folgten auch einige Worte. Es wurden einzelne Punkte erläutert, um den Hintergrund des Protests verständlich zu machen. Danach wurde wieder geschwiegen.
Im Mittelpunkt der Kritik standen mehrere zentrale Aspekte des Gesetzentwurfs. Ein besonders wichtiger Punkt ist die geplante Aufteilung der Betreuungszeiten in sogenannte „Kernzeiten“ und „Randzeiten“. Was auf den ersten Blick nach mehr Flexibilität klingt, bedeutet in der Praxis häufig wechselndes Personal für die Kinder. Die Teilnehmenden betonten jedoch, dass gerade für junge Kinder stabile Bezugspersonen essenziell sind, um Vertrauen und Sicherheit aufzubauen. Häufige Wechsel könnten diese wichtige Bindung erheblich beeinträchtigen. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Zeit für den Austausch zwischen Eltern und Fachkräften. Die sogenannten „Tür-und-Angel-Gespräche“, also kurze Gespräche beim Bringen und Abholen der Kinder, sind ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Durch die neuen Regelungen befürchten die Demonstrierenden, dass genau für diese Gespräche künftig weniger Zeit bleibt. Dies könnte sich negativ auf die individuelle Förderung und Entwicklung der Kinder auswirken.
Auch die finanzielle Situation vieler Einrichtungen bereitet große Sorgen. Insbesondere kleinere Kitas mit ein oder zwei Gruppen sehen ihre Existenz gefährdet, da das derzeitige Finanzierungssystem nicht ausreicht, um steigende Kosten zu decken. Energiepreise, Instandhaltung und notwendige Investitionen steigen kontinuierlich, während die Zuschüsse nicht entsprechend angepasst werden. Die Folge könnte ein Rückgang wohnortnaher Betreuungsangebote sein, ein Verlust, der insbesondere ländliche Regionen stark treffen würde. Darüber hinaus kritisierten die Teilnehmenden, dass der Gesetzentwurf den Bildungsauftrag der Kitas nicht ausreichend berücksichtigt. Kindertageseinrichtungen seien weit mehr als reine Betreuungsorte. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur frühkindlichen Bildung, vermitteln Werte und fördern die individuelle Entwicklung der Kinder. Diese pädagogische Qualität müsse stärker in den Fokus rücken.
Die Kampagne selbst wurde von Mitarbeitervertretungen und Trägern der katholischen Kita gGmbHs initiiert, die die Entwicklungen rund um das KiBiz seit Jahren kritisch begleiten. Nachdem bereits offizielle Stellungnahmen und Rückmeldungen an die Politik erfolgt waren, stellt die Kampagne nun einen weiteren Versuch dar, öffentlich Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess zu nehmen. Koordiniert wird die Aktion diözesanweit, wobei die Umsetzung bewusst lokal und eigenständig erfolgt. Die stille Protestform erwies sich als besonders wirkungsvoll. Gerade durch das bewusste Schweigen wurde die Botschaft deutlich: Die Betroffenen fühlen sich von der Politik nicht gehört. Gleichzeitig zeigte die Kundgebung, wie groß der Zusammenhalt zwischen Mitarbeitenden, Eltern und Trägern ist. Insgesamt machte die Veranstaltung, die unter der Federführung von Patricia Bieber (KiTa Leitung der Katholischen KiTas Hochstift gGmbH) statt fand und an der sich auch Bürgermeister Daniel Hartmann beteiligte, deutlich, dass der aktuelle KiBiz-Entwurf bei vielen Beteiligten auf große Ablehnung stößt. Die Forderung nach Nachbesserungen ist klar und eindringlich.
Fotos: Thomas Kube