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Montag, 22. Juni 2026 Mediadaten
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Corvey (TKu). Seit 1190 Jahren wird im Corveyer Land der heilige Vitus verehrt. Die diesjährigen Vitus-Feierlichkeiten standen deshalb in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Das traditionsreiche Fest erinnerte an die Übertragung der Reliquien des jungen Märtyrers im Jahr 836 von Saint-Denis bei Paris in das damals neu gegründete Kloster Corvey. Gleichzeitig zeigte die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey, wie sich jahrhundertealte Tradition mit frischen Ideen verbinden lässt. Wegen der unsicheren Wetterlage begann das Festhochamt nicht wie ursprünglich geplant im Schlosspark, sondern in der ehemaligen Abteikirche. Hauptzelebrant und Festprediger war Offizial Markus Stadermann aus Paderborn. Unter dem Leitwort „1190 Jahre Vitus in Corvey – 836 bis 2026“ stellte er den Glauben und die Zukunft der Kirche in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Dabei sprach Stadermann den zahlreichen Gläubigen Mut zu. Statt ständig über Rückgänge und Verluste zu sprechen, müsse die Kirche wieder stärker von ihrer Hoffnung und ihrem Auftrag erzählen. „Wenn wir immer über das sprechen, was es nicht mehr gibt in unserer Kirche, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass kaum jemand mitmachen will“, sagte der Offizial. Die Kirche sei kein sinkendes Schiff, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die auf der Grundlage des Evangeliums Zukunft gestalten wolle. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand der heilige Vitus. Der jugendliche Märtyrer habe aus einem tiefen Vertrauen auf Christus gelebt und sei deshalb bis heute Vorbild für Christen. Gerade in einer Zeit, die von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen und großen Herausforderungen geprägt sei, brauche es Menschen, die Orientierung geben und glaubwürdig von ihrem Glauben erzählen. Die Zukunft der Kirche entscheide sich nicht allein an Strukturen, sondern daran, ob Christen bereit seien, Zeugnis abzulegen und die Botschaft Jesu weiterzutragen.

Nach dem Gottesdienst klarte das Wetter überraschend auf. Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek konnte deshalb kurzfristig zur traditionellen Prozession einladen. Unter strahlendem Sonnenschein zog die Festgemeinde mit dem Vitus-Schrein und dem Allerheiligsten zum Dreizehnlindenkreuz und zurück zur Kirche. Die Prozession erinnert an die sogenannte „Translatio Sancti Viti Martyris“, die Überführung der Reliquien des heiligen Vitus nach Corvey im Jahr 836. Dieses Ereignis begründete einst den Ruf Corveys als bedeutenden Wallfahrtsort und machte die Weserabtei weit über die Region hinaus bekannt.

Musikalisch wurde das Festhochamt von Domorganist Dominik Balduin und der von ihm gegründeten Schola „Canta voce“ gestaltet. Ebenso erfreulich war die große Zahl an Ministrantinnen und Ministranten, die den Gottesdienst begleiteten. Pfarrdechant Krismanek dankte allen Beteiligten sowie dem Festprediger, den er zugleich zu dessen 25-jährigem Priesterjubiläum beglückwünschte. Nach den liturgischen Feierlichkeiten verlagerte sich das Geschehen auf das Pfarrfest vor dem Gartencafé. Dort warteten mehrere Neuerungen auf die Besucher. Für musikalische Unterhaltung sorgte das Blasorchester Albaxen. Erstmals gestaltete das Team des Petri-Ganztags der Petrischule Höxter unter Leitung von Gabi Schubring ein abwechslungsreiches Kinderprogramm. Die neue Kooperation wurde von den Familien sehr gut angenommen.

Besonderes Interesse fand zudem eine Sonderpostkarte, die der Philatelist Ditmar Fischer aus Stahle anlässlich des Jubiläums gestaltet hatte. Die Karte erinnert mit einer individuellen Briefmarke und Motiven aus Corvey an „1190 Jahre Vitus in Corvey – 836 bis 2026“ und wurde von zahlreichen Besuchern als Erinnerungsstück erworben. Für ein Schmunzeln und spontane Fotomotive sorgte jedoch eine weitere Attraktion. Die Stifter des Klosters Corvey, Karl der Große und sein Sohn Ludwig der Fromme, verließen symbolisch ihren angestammten Platz in der Kirche und standen den Gästen für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Eine eigens gestaltete Fotoleinwand mit den beiden Herrschern erlaubte es Besuchern, den gekrönten Häuptern ihr eigenes Gesicht zu leihen. Die Idee stammte von Gastronomin Klaudia Preis-Konze, die mit ihrem Team zugleich die kulinarische Versorgung des Pfarrfestes übernahm.

Auch Führungen durch die ehemalige Abteikirche und den Chorraum stießen auf großes Interesse. Standortleiterin Annika Pröbe und Museumsdirektor Dr. Holger Kempkens erläuterten die Geschichte Corveys und die Bedeutung des heiligen Vitus für die Region. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, bekannte Orte neu zu entdecken und zugleich spannende Details über das Welterbe zu erfahren. Die Vitus-Feierlichkeiten 2026 zeigten eindrucksvoll, warum dieses Fest seit fast zwölf Jahrhunderten Bestand hat. Tradition, Glaube, Gemeinschaft und neue Ideen gingen Hand in Hand. Die Botschaft des Tages brachte Offizial Markus Stadermann auf den Punkt: Nicht Resignation, sondern Zuversicht solle den Blick auf die Zukunft bestimmen. Mit dieser Haltung machten sich die zahlreichen Besucher am Ende des Festtages auf den Heimweg, bereichert durch ein Fest, das Geschichte lebendig werden ließ und zugleich neue Impulse für die Zukunft setzte.

Fotos: Kirchengemeinde Corvey/S. Robrecht

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