Gainesville/Höxter (TKu). Sebastian Brandt aus Höxter hat bei der Leichtathletik-Hallen-Weltmeisterschaft im amerikanischen Gainesville gemeinsam mit seinem Team die Goldmedaille im 10-Kilometer-Gehen gewonnen. Der 42-jährige Lehrer zeigte nicht nur in der Mannschaftswertung eine beeindruckende Leistung, sondern belegte im Einzelrennen mit persönlicher Bestzeit von 56:08 Minuten einen hervorragenden sechsten Platz. „Die Reise nach Florida hat sich gelohnt“, resümierte Brandt nach dem Rennen.
Das Rennen war hart umkämpft und wurde unter erschwerten Bedingungen ausgetragen. Obwohl es sich um eine Hallenweltmeisterschaft handelte, fand das Gehen im Freien statt. Während das Wetter in Florida in den Tagen zuvor angenehm war, setzte ausgerechnet am Wettkampftag starker Regen ein. Zwischenzeitlich befürchtete Brandt sogar einen Rennabbruch. Doch trotz der widrigen Bedingungen konnte er sich mit einer starken Leistung behaupten. Der Start verlief etwas zu schnell, was im späteren Rennverlauf zu kämpfen bedeutete. Zudem erhielt Brandt bereits nach dem ersten Kilometer eine Verwarnung wegen eines leichten Regelverstoßes – blieb jedoch im erlaubten Rahmen und beendete das Rennen problemlos.
Besonders erfreulich war der Erfolg in der Mannschaftswertung: Gemeinsam mit seinen beiden Teamkollegen setzte sich der Höxteraner gegen starke Konkurrenz durch. Überraschend ließen die Deutschen die favorisierte polnische Mannschaft hinter sich und gewannen mit einer Minute Vorsprung die Goldmedaille. Frankreich belegte mit deutlichem Abstand den dritten Platz. Besonders bemerkenswert: Das deutsche Team schlug auch den international bekannten polnischen Geher Tomasz Lipiec. „Wir haben schon mit einer Medaille geliebäugelt, aber dass es Gold wird, hätte keiner erwartet. Das war ein unglaubliches Gefühl“, erklärte Brandt nach dem Triumph.
Der Weg zu diesem Erfolg war lang: Sebastian Brandt ist seit 1998 in der Leichtathletik aktiv. Früher vor allem als Läufer erfolgreich gewann er zahlreiche Volksläufe. In seiner Paradedisziplin, den 3000 Metern Hindernis, wurde er bei der Weltmeisterschaft 2022 in Finnland Vierter in der Altersklasse M40. Seine damalige Bestzeit von 09:21,44 Minuten ist bis heute Kreisrekord in Höxter. Auch über 800 Meter wurde er Westfalen-Meister, die 10 Kilometer lief er in starken 32:14 Minuten. Aufgrund von Verletzungen suchte er schließlich eine gelenkschonendere Alternative – und fand sie im Gehen. Zwar hatte er diese Disziplin schon vor 20 Jahren ausprobiert, betrieb sie aber lange nur nebenbei. Ein Treffen mit einem erfahrenen Geher in Italien vor zwei Jahren entfachte schließlich seine Begeisterung. „Gehen wird in Deutschland oft unterschätzt, vielleicht weil es optisch ungewohnt aussieht. Aber es ist eine technisch anspruchsvolle und zugleich gelenkschonende Disziplin“, betont Brandt.
Seinen Aufenthalt in den USA rundete der Höxteraner mit einem Besuch eines NBA-Spiels zwischen den Orlando Magic und den LA Clippers ab. Besonders freute er sich, den deutschen Franz Wagner live spielen zu sehen. Sein Bruder Moritz, der ebenfalls bei den Magic spielt, riss sich im Januar das Kreuzband und ist seither zum Zuschauen verdammt. „Wenn ich schon in den USA bin, darf so ein Erlebnis nicht fehlen“, sagte er lachend.
Nach dem großen Erfolg in Florida richtet Brandt seinen Fokus nun auf die Deutschen Meisterschaften im Gehen, die Ende Mai in Hildesheim stattfinden. Dort wird er über 5000 Meter antreten. Die dafür notwendige Qualifikationsnorm hat er bereits im vergangenen Jahr erfüllt. „Mein Ziel ist es, weiter verletzungsfrei zu bleiben und in dieser Disziplin noch bessere Leistungen zu zeigen“, so Brandt abschließend.
Fotos: Sebastian Brandt