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Sonntag, 20. Juni 2021 06:45 Uhr

Wie Kirchengemeinden die Corona-Zeiten erleben und worauf sie hoffen - „Kirche für andere und mit anderen neu ins Gespräch bringen“

Gemeindepfarrerin Patrizia Müller

Kreis Höxter/Kreis Paderborn (red). 14 Kirchengemeinden mit 77.000 Christinnen und Christen gehören zum Evangelischen Kirchenkreis Paderborn in den Kreisen Höxter und Paderborn. Jede hat die durch Corona bedingten Kontaktsperren erlebt und ist herausgefordert, mit den Folgen fehlender direkter Begegnung umzugehen. Trotz der gravierenden Auswirkungen auf das gewohnte Gemeindeleben wurden kreative Kräfte freigesetzt und spannende Alternativen entwickelt. „Ich bin dankbar und voller Anerkennung für den Einfallsreichtum und die Durchhaltekraft in den Kirchengemeinden. Durch das gemeinsame Tun der Ehren- und Hauptamtlichen sind Veränderungen der bisherigen gemeindlichen Arbeit auf den Weg gebracht worden, deren Nachhaltigkeit weiterhin in den Blick genommen werden muss“, so der Superintendent des Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff.

Eine Gemeindepfarrerin und ein Gemeindepfarrer geben am Beispiel der evangelischen Kirchengemeinden Altkreis Warburg und Emmer-Nethe Auskunft über ihre Erfahrungen und Hoffnungen in der Corona-Zeit:

Volker Walle aus Brakel ist Gemeindepfarrer in der Christus Kirchengemeinde Emmer-Nethe. Er stellt insbesondere für manche ältere Gemeindemitglieder fest: „Die persönliche Begegnung fehlt vielen.“ Das Fehlen regelmäßiger Treffen von Gruppen und Kreisen im Gemeindehaus, das Ruhen des Kindergottesdienstes und den überwiegend digitalen Kontakt zu den Konfirmanden empfindet er auch persönlich als belastend. Walle fühlt sich in seinem Selbstverständnis als Seelsorger und Pastor getroffen. „Die in der Pandemie gebotenen Kontakteinschränkungen lähmen die gemeindliche Arbeit auf allen Ebenen“, so der Pfarrer. Dennoch: aus dem Nichts wurden im Frühjahr 2020 digitale Angebote entwickelt und ein Youtube-Kanal eingerichtet mit wöchentlichen Andachten. Intensiv genutzt wurde im Sommer 2020 das Angebot von Gottesdiensten im Freien. „Im Mai 2021 haben wir damit wieder gestartet“, teilt Walle mit. Gottesdienste für zuhause auf vier Din A5-Seiten sind seit Jahresbeginn hinzugekommen. Und Mitte Januar starteten auch die Gottesdienste über ZOOM. „Das Angebot über dieses Medium erreicht nicht alle Menschen, die zu präsentischen Gottesdiensten gekommen wären, aber dafür kommen manche neue dazu“, berichtet Volker Walle. Obwohl Präsenz-Gottesdienste inzwischen wieder gefeiert werden, das Angebot der digitalen Teilnahme bleibt erhalten und wird genutzt. Für die Gremienarbeit sieht Walle in den Videokonferenzen zukünftig einen Vorteil angesichts der flächenmäßig ausgedehnten Emmer-Nethe Gemeinde. Sie erspare lange Fahrzeiten. „Vor den Gemeinden liegt viel Arbeit“, so die Einschätzung des Pfarrers, „vor allem eine neue Beziehungsarbeit, in der wir nach den Erfahrungen der Corona-Zeit neue Wege gehen müssen.“

„Ich habe mehr denn je gespürt, wie sehr ich an meinem Beruf die Nähe zu Menschen genieße, leibhaftige Begegnungen brauche“, teilt Patrizia Müller, Pfarrerin in der Kirchengemeinde Altkreis Warburg, ihre Erfahrung in der Corona-Zeit mit. Seelsorge am Telefon - ohne Mimik und Gestik - sei schwerer als im direkten Gespräch. Ihre schmerzhafteste Erinnerung hängt mit einer der ersten „Corona-Beerdigungen“ im Frühjahr 2020 zusammen. Nach dem Abschiednehmen am Grab sagte eine Angehörige zu ihr: „Es tut so weh, dass wir uns nicht umarmen können.“ Das macht die Gemeindepfarrerin bis heute betroffen. „Wir haben alle gemerkt, wie brüchig doch unser Leben ist – und dass sich Leben von einem Tag auf den anderen umkrempeln kann, dass Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist“, so Patrizia Müller. „Gleichzeitig haben wir uns in der Gemeinde viel mehr in Kreativität und Flexibilität geübt“, stellt sie fest. Besonders ältere und internetskeptische Menschen seien über sich hinausgewachsen. Sie könnten jetzt mühelos zum Beispiel mit ZOOM-Konferenzen umgehen. „Neue Formate wurden entwickelt, um miteinander in Kontakt zu bleiben, und dankbar angenommen“, berichtet die Pfarrerin: ZOOM-Gottesdienste und andere Online-Formate, Andachtstüten- und -karten zum Mitnehmen. „Wir üben uns mehr und mehr darin, Plan Bs zu entwickeln – möglicherweise auch wieder über Bord zu werfen – und Plan Cs anzudenken. Und das wird sich vermutlich auch über die Pandemiezeit fortsetzen – um Kirche für andere und mit anderen neu ins Gespräch zu bringen“, macht Patrizia Müller Hoffnung.

Superintendent Volker Neuhoff Gemeindepfarrer Volker Walle

Fotos: Petra Rietz, Heide Welslau, Evangelischer Kirchenkreis Paderborn

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