Höxter-Holzminden (TKu). In diesem Jahr feiert das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter (ZZHH) sein 10-jähriges Bestehen. Bereits seit zehn Jahren werde der Fokus auf zukunftsfähigen Lösungen für die Entwicklung ländlicher Räume gelegt, Vernetzung in diesen Bereichen gestärkt und Ergebnisse in Konzepte umgewandelt, um regionale Planungs- und Entwicklungsprozesse zu unterstützen. In Höxter begrüßten am vergangenen Montag Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) und Dr. Marc Hudy, Präsident der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst mit Standort Hildesheim, Holzminden und Göttingen), zahlreiche hochrangige Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Gemeinsam wurde die Feierstunde genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen, zurück- und vorauszuschauen, um sich zu vernetzten und gemeinsam auszutauschen. Zunächst galt es aber eine sehr ungewöhnliche Aufgabe zu bewältigen. Auf jedem Sitzplatz befand sich ein Tütchen mit Legobausteinen mit den unterschiedlichsten Bauteilen. „Bauen Sie daraus zunächst eine Brücke, so wie Sie es für richtig halten“, lautete die Botschaft. Später gab es weitere „Lego-Handlungsanweisungen“ für die Besucherinnen und Besucher. Was dabei herauskam, das musste jeder „Lego-Ingenieur“ anschließend den Anwesenden näher vorstellen.

Mit 660.000 Euro Fördergeld für fünf Jahre ist das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter (ZZHH) 2013 gestartet. Zusammengetan hatten sich die Städte und Kreise Holzminden und Höxter, der Kommunalverbund Weserberglandplan im Kreis Holzminden sowie Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe. Heute hat das ZZHH rund acht Millionen Euro Fördergelder eingeworben und damit in die Region geholt, mehr als 30 Projekte realisiert, kann rund 80 wissenschaftliche Veröffentlichungen und zahlreiche weitere Publikationen vorweisen — „eine beeindruckende Bilanz“, waren sich Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) und Dr. Marc Hudy, Präsident der HAWK bei der Eröffnung des Festaktes zum 10. Geburtstag dieses besonderen länderübergreifenden Projektes einig. Das inhaltliche Spektrum bezeichnen sie als einzigartig. Schwerpunktthemen sind junge Menschen in ländlichen Regionen, zum Beispiel Bleibefaktoren und Teilhabe junger Menschen, ihre Berufsorientierung oder die digitale berufliche Bildung. Des Weiteren geht es um soziale Dorfentwicklung, bürgerschaftliches Engagement und die Motivation von Menschen, sich zu engagieren, Dörfer als Wirtschaftsstandorte oder um regionalwissenschaftliche Forschung bis hin zur Verkehrswende in Südniedersachsen. Ein anderer Schwerpunkt ist unter der Überschrift „Klimafolgen-Anpassung“ die Abwehr von Gefahren durch Starkregen in Zusammenarbeit mit Kommunen.

„Die Wissenschaft hat stets die Zukunft geprägt. Das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter (ZZHH) liefert hierzu seit zehn Jahren ein hervorragendes Beispiel für die positive Entwicklung des ländlichen Raums. Wir sind sehr froh, das ZZHH in unserer Nähe zu wissen, gratulieren herzlich zum Jubiläum und danken für die erfolgreiche langjährige Arbeit! Mit großer Zuversicht blicken wir in die Zukunft, in der das ZZHH weiterhin eine bedeutende Rolle einnehmen wird“, betont Prof. Dr. Jürgen Krahl. „Bei all den Herausforderungen insbesondere in ländlichen Regionen brauchen wir Lösungsmöglichkeiten und das nicht mehr nur angesichts des demografischen Wandels, auf den wir vor 10 Jahren mit der Gründung des ZZHH reagiert haben. Heute sind weitere Herausforderungen wie die Digitalisierung, neue Wirtschaftsstrukturen, die Folgen des Klimawandels oder der Fachkräftemangel hinzugekommen, die uns umtreiben. Gemeinsam mit Verwaltungen, Politik, Bildungsund Wirtschaftsakteur*innen und Wissenschaft entwickeln wir Ideen und setzen diese auch um. Das ist das, was wir unter ‚Hochschule der Region‘ verstehen“, sagt HAWK-Präsident Dr. Marc Hudy.

Inzwischen konnten neben einem Kernteam von fünf wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und einer Teamassistenz 20 projektbezogene Stellen geschaffen und an beiden Hochschulen Promotionskollegs mit insgesamt 21 Promotionen angesiedelt werden, wobei sieben davon schon abgeschlossen sind. Die fachliche Leitung des ZZHH, zeugt von großer Stabilität. Von Beginn bis heute bilden Prof in. Dr. Alexandra Engel (Sozialpolitik und soziale Problemlagen Erwachsener /HAWK), Prof. Dr. Ulrich Harteisen (Regionalmanagement und regionale Geografie/HAWK) und Prof. Dr. Klaus Maas (Umweltinformationssysteme/TH OWL) das Direktorium.

Beim Festakt zum 10. Geburtstag blickten sie unter der Überschrift „10 Jahre kollaborative, wissensbasierte Entwicklung in und für ländliche Räume“ zurück und voraus. „Angesichts dessen, dass die Unterschiedlichkeit ländlicher Räume in Deutschland unmittelbar die Bildungs- und Teilhabechancen vor allem junger Menschen und sozialen Zusammenhalt beeinflusst, war es richtig und wichtig, Themen wie digitale Bildung, Berufsorientierung und auch bürgerschaftliches Engagement zu bearbeiten und damit gezielte Entwicklungsimpulse in die Region zu ermöglichen, berichtet Prof. Dr. Alexandra Engel. Die erfolgreichen Promovierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden des ZZHH werden eigene Nachwuchsforschungsgruppen aufbauen: so werden wir in den kommenden Jahren in mehreren Teams noch mehr Entwicklungsthemen als bislang angehen können.“ Prof. Dr. Ulrich Harteisen: „Das Dorf - ein zunehmend unbekanntes Wesen? So könnte man provokativ fragen, denn Dörfer haben sich in den letzten Jahrzehnten sowohl siedlungsstrukturell wie sozioökonomisch stark verändert. Mit unserer angewandten Dorfforschung liefern wir einen Beitrag zur Gestaltung einer guten Dorfzukunft. Im wissenschaftlichen Sinne sind Dörfer für uns ‚Reallabore‘, in die wir uns als Wissenschaftler hineinbegeben und gemeinsam mit Akteuren vor Ort nach neuen Lösungen für die Zukunftsfähigkeit der Dörfer suchen.“

„Über das Netzwerk des ZZHH bestehen hervorragende Voraussetzungen für anwendungsorientierte Forschung und deren Transfer, beispielsweise im Bereich Starkregenvorsorge. So profitieren die Regionen von unseren Ergebnissen. Wir sind sicher, dass wir das ZZHH mit unseren Themen ausbauen und weiterentwickeln werden - von Seiten der TH OWL insbesondere bei regionalen Konzepten im Bereich der Klimaentwicklung“, heißt es von Prof. Dr. Klaus Maas. „Was braucht die länderübergreifende Region jetzt, um Zukunft proaktiv gestalten zu können?“ Diese Frage warfen Michael Stickeln, Landrat des Kreises Höxter, und Michael Schünemann, Landrat des Landkreis Holzminden, auf. Die Bedeutung von Forschung und Transfer für ländliche Räume beschrieb Prof. Dr. Stephan Beetz, Hochschule Mittweida, in seinem Festvortrag. Und genau darum ging es auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion, an der HAWK-Präsident Dr. Marc Hudy, Prof. Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel, Vizepräsidentin Bildung und Nachhaltigkeit TH OWL, Mark Becker vom Innovationsnetzwerk Region Holzminden-Höxter und Wilhelm Purk, NDR-Korrespondent Weserbergland teilnahmen.

Antworten liegen schon in den Themengebieten des ZZHH. Die Stichworte, die sich wie ein roter Faden nicht nur in der Podiumsdiskussion, sondern durch die gesamte Veranstaltung zogen: die Digitalisierung weiter vorantreiben, Bildungs- und Teilhabechancen vor allem junger Menschen und sozialen Zusammenhalt erhöhen, soziale Dorfentwicklung, bürgerschaftliches Engagement und die Motivation von Menschen, sich zu engagieren, zu unterstützen und weiterzuentwickeln, Dörfer und Kleinstädte als Wirtschaftsstandorte zu stärken und insgesamt die Lebensqualität in ländlichen Regionen zu steigern sowie regionale Konzepte im Bereich der Klimaentwicklung zu verankern.

Fotos: Thomas Kube