Höxter (TKu). Mit einer sichtbaren Aktion hat der Aktionskreis „Lehre am Hochschulstandort Höxter“ am Mittwoch ein deutliches Zeichen gesetzt: Am Stadthaus der Stadt Höxter wurde feierlich die Fahne „Studiert in Höxter“ gehisst. Die Aktion ist Teil der Initiative „Höxter zeigt Flagge“, mit der Bürgerinnen und Bürger, Studierende, Politikerinnen und Politiker und regionale Akteure gemeinsam für den Erhalt der Lehre am Hochschulstandort eintreten. Die Fahne weht inzwischen nicht nur am Stadthaus, sondern auch am Kreishaus und an weiteren markanten Stellen im Stadtgebiet, als sichtbares Signal des Zusammenhalts einer ganzen Region. Bereits am Tag zuvor hatte der Aktionskreis zu einer öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen. Im Restaurant „Das Ehrlich“ am Schalker Markt in Höxter kamen rund 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um sich vom Aktionsbündnis über den aktuellen Stand der Entwicklungen zu informieren und ihre Sorgen wie auch Ideen einzubringen. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann sowie mehrere Studierende, die eindrucksvoll schilderten, wie wohl sie sich in Höxter fühlen und wie sehr sie den überschaubaren, persönlichen Campus schätzen.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorstellung eines sogenannten Vorkonzepts für die Hochschule in Höxter. Dieses Konzept wurde vom Aktionskreis selbst erarbeitet und soll eine konstruktive Alternative zu den Plänen der Hochschulleitung darstellen. Heinz-Günter Koßmann, Matthias Köhne und Bernd Schackers, die zu den prägenden Stimmen des Aktionskreises zählen, betonten unisono, dass die Initiative stetig wachse. Immer mehr Menschen aus der Region engagierten sich, weil sie den möglichen Verlust des Hochschulstandortes nicht hinnehmen wollen. Hintergrund der Proteste sind die Umstrukturierungspläne der Technische Hochschule OWL. Diese plant, mehrere Studiengänge, darunter Landschaftsarchitektur, Umwelt-Informatik, Umwelt-Ingenieurwesen und Umwelt-Planung, von Höxter nach Lemgo und Detmold zu verlagern. Begründet wird dieser Schritt mit rückläufigen Einschreibezahlen am Standort Höxter. Nach Angaben der Hochschule sollen die Umstrukturierungen bereits seit Anfang dieses Jahres greifen, wie auf der Internetseite der TH OWL zu lesen ist. Brisant ist dabei die politische Dimension des Konflikts. Die nordrhein-westfälische Landesregierung stellt sich parteiübergreifend hinter den Aktionskreis und spricht sich klar für den Erhalt der Lehre in Höxter aus. Die Hochschulleitung hingegen sieht ihre Autonomie gefährdet und hat Klage gegen das Land eingereicht. In dem Verfahren soll nun durch ein eingeschaltetes Verwaltungsgericht geklärt werden, ob und in welcher Form das Land der Hochschule untersagen kann, an einem bestimmten Standort die Lehre einzustellen bzw. Studiengänge zu verlagern. Bereits im November war bekannt geworden, dass das Präsidium diesen Rechtsweg beschreiten will; inzwischen befindet sich das Klageverfahren offenbar in vollem Gang.
Nach Darstellung von Bernd Schackers beruft sich die Hochschulleitung auf das Hochschulfreiheitsgesetz, um die Lehre aus Höxter abzuziehen. Aus Sicht des Aktionskreises käme dieser Schritt jedoch faktisch einer Standortschließung gleich. Eine solche sei ohne Zustimmung der Landesregierung nicht zulässig, argumentiert Schackers. Genau an diesem Punkt setzt auch der Widerstand der Region an. Trotz der juristischen Auseinandersetzung bleibt der Aktionskreis aktiv. Er vernetzt sich weiter, informiert die Öffentlichkeit und sucht gezielt neue Mitstreiter. Vor allem das selbst entwickelte Konzept für den Hochschulstandort soll den Verantwortlichen der Hochschule aufzeigen, dass der Standort Höxter Zukunft habe. Doch genau daran hapert es derzeit: Eine echte Kommunikation mit der Hochschulleitung finde nicht statt, kritisiert Matthias Köhne. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels, insbesondere in den Umwelt- und Planungsberufen, sei es aus seiner Sicht kurzsichtig, gerade diese Studiengänge zu verlagern.
Die gehissten Fahnen sollen deshalb mehr sein als nur Dekoration. Sie stünden für den Willen einer Region, ihre Hochschule zu erhalten, sagt Matthias Köhne. Entworfen wurde das Logo vom Aktionskreis selbst, der sich aus Mitgliedern der Absolventen- und Förderervereinigung, ehemaligen Lehrenden, Studierendenverbindungen sowie zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern anderer Vereine und Organisationen zusammensetzt. Besonders bemerkenswert ist die breite, überparteiliche Unterstützung aus der Politik. Wer sich beteiligen möchte, kann die Fahne „Studiert in Höxter“ auch selbst erwerben, und zwar bei Weserflaggen in Höxter, und sie sichtbar an Haus oder Balkon anbringen.
Foto: Thomas Kube